Eines steht fest: ... Ein Album zum Nebenherhorchen ist „DER SPATE WIND" nicht. Da muss man zuhören, am besten noch die Texte im Booklet mitlesen, Denn die Lieder des Teisendorfers Karl von Karlsbach alias Hermann Stützer sind Poesie, von der man sich kein Wort entgehen lassen sollte.
Wenn der 1952 geborene ehemalige Gärtner, Kulturmanager und FDP-Politiker, der in den 70ern als Liedermacher unterwegs war (s.Portrait i.d.MUH 21) vom „spaten Wind“ singt, dann ist das kein Kokettieren mit dem Alter oder mit der Tatsache, dass er nach so langer Zeit mit verschiedensten Berufen erst vor einigen Jahren wieder angefangen hat, zu dichten und zu singen:
Es ist, so hat man den Eindruck, eine poetisch-sachliche Bestandsaufnahme der Gefühlssituation Ü65.
Ein Alter, in dem man vor- und zurückschaut.
Erschreckend plastisch das Lied „S’Kripplgspenst“, das das Bild einer Übernahme der Gesellschaft durch eine braune „Grattlerbagage“ zeichnet. Aber auch der Rückblick ist nicht frei von Düsternis und heraufgespülter Angst.
Der „Psalmonellen Blues“ ist die Biographie des Bayerwaldler Schülers Franz Wimbauer, der nach Missbrauch durch
Lehrer und Geistlichkeit zum Kriminellen wird. Karl von Karlsbachs Sprache ist der oberbairische Dialekt, mal dezent, mal brachialer eingesetzt, seine
musikalische Sprache reicht über bayerische Volkslieder und Liedermacherklänge bis zum Blues.
Besonders schön: Die Gitarren von Frank
Schimann und vor allem die pointierte Bluesharp von Ferdl Eichner, der die Lieder sparsam und wirksam mitarrangiert
hat.
Ulrike Zöller [ BR ]
sowiesound
Die Musik Karl von Karlsbachs [KvK] wächst mit seiner zweiten CD weiter in eine neue und spannend-andere Ebene. Klassischer Song, Ballade, Blues, Rock, Kunst- und Volkslied begegnen sich und verweben zu stimmigen Hör-Erlebnissen. Aus ePiano, Guitarren u. BluesHarp schälen sich form- und klangschöne Botschaften mit unüberhörbarem Anspruch.
Musikalisches Können und das einfühlsame Spiel der drei Musiker bilden das Textniveau in unverwechselbarem Groove mit ab. Mit bairischem Hintersinn und überzeugtem lyrischen Ich wächst die gleichwohl unterhaltende Musik von rotzfrechen Balladen hinüber zu engagiert-gesellschaftskritischen Chansons.
Karl von Karlsbachs dialektsichere Sprache verleiht seinen Texten eine, echte, bodenständigeTrittsicherheit mit
leichtfüßiger Milieu- und Gefühlskompetenz „…so als hätte der Mann nie etwas anderes gemacht …“
[zit. MUH 2017]
Mit zwei wunderschönen Literatur-Vertonungen zum Schluss: Theodor Kramer, Österreich [1884-1956] und Max Dingler, Bayern [1883-1961] münden die Lieder in einen Ausklang stiller Betrachtung.
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Eine CD zum Zurücklehnen und Augenschließen ...
absolut hörenswert.
[Labeltext]
euro.pages
"... es mag sein, dass es früher ambitioniertere Texte von Liedermachern gab als den oftmals hohlen "Etikettenpsrech" von heutzutage. Aber schon eine einzige Strophe dieses Karl von Karlsbach lässt derlei Einordnungen weit hinter sich. Man muss sich drauf einlassen, z.B. im Auto oder in einer stillen Ecke mit Kopfhörer, um jenen Grad von Konzentriertheit und tieferem Zuhören zu erlangen, den diese Musik einfordert. Und es lohnt sich wirklich! "Der spate Wind" schlägt textlich wie musikalisch wieder anspruchsvolle Seiten auf. Eine großartig komponierte Liedmusik verlangt eben besondere Liedtexte und umgekehrt.
Wer hätte gedacht, dass das noch einer kann?
Und wer weiß noch, welch lyrische Blühkraft der bairischen Mundart eigentlich genuin innewohnt, nicht nur sprachlich, gerade auch deklamatorisch
- also wenn einer wirklich Textsingen kann.
Großes Kompliment an Karl von Karlsbach, ein alter Regensburger Domspatz, dessen späte (geb.1952) "Wiederbetätigung", wie er das nennt, beschert, was wir nur noch in Archiven zu finden glaubten. Eine Musik zum Schwelgen, zum Staunen und sehr zum Nachdenken - voll herausfordernden Engagements eines Könners, dessen musikalisches Herzblut man in jedem Takt förmlich auf der Haut spürt ..."
[Red.]
Sendung "Schmankerl" Palmsamstag 4.4.2020
"..... man muss sich die Lieder konzentriert anhören ... erst dann kommt man dahinter, wie gehaltvoll und poetisch die Gesänge sind ...
DER SPATE WIND
von Karl von Karlsbach ist weniger ein Schmankerl als vielmehr schwere Kost, aber eine kostbare Kost, die einzunehmen sich
lohnt.
Bairisch ist halt nicht immer nur a Gaudi! ..."
[BR-Redaktion, Mod. Conny Glogger]
"..... Früher war er Politiker, heute widmet er sich ganz der Musik.
Der frühere Regensburger Domspatz Hermann Stützer führt er sehr vielseitiges Leben. Teresa Cilwa hat ihn in Teisendorf im Landkreis Berchtesgaden getroffen um mit ihm über die vielen Facetten seines
Lebens zu sprechen ..."
PASSAUER NEUE PRESSE regional SüdOst
"... Denn alle Lieder sind wahre Schmankerl, deren Tiefe sich erst beim wiederholten Zuhören und bei Verinnerlichung der Texte, die der CD beiliegen, richtig erfassen läßt.
Die meisten Lieder haben einen ernsten ... Hintergrund und lassen in Abgründe der Gesellschaft blicken. Sie schildern ... "Tiefpunkte", etwa im "Psalmonellen-Blues". Dieser beschreibt schonungslos die Zustände in einem Knabenchor-Internat "streng geführt mit elitekatholischem Drill pädagogisch bewährter Präfekten". In dieses kommt der "Wimbauer Franz", ein Bauernbub, der darin zwar kaputtgeht, sich aber nicht beugt. Ein anderes Beispiel ist "s'Kripplgspenst", in dem die schon wieder erstarkende Naziszene aufs Korn genommen wird, die's im Land "scho wieder duster" wern laßt.
Bei aller Nachdenklichkeit blitzen dennoch auch tröstende Gedanken in den Liedern durch, wenn es zum Beispiel im "Spaten
Wind" heißt: "hob an kloan Schimmer im Herzn drin, hot englblaue Augn und den Schimmer drin".
Die Lieder sind von Karl von Karlsbach gsungen und auf dem E-Piano gespielt, komponiert, arrangiert und bis auf zwei auch von ihm selbst getextet. ...
Das großartige Können und musikal. Gespür auch der beiden Begleiter, Frank Schimann (Gitarre) und Ferdl Eichner (Bluesharp) ist bei jedem der neun Lieder spürbar ...
Karl von Karlsbach hat in den 70er-Jahren Musik in der Münchner Liedermacherszene u.a. mit Fredl Fesl und anderen gemacht ... er bezeichnet sein derzeitiges musikalisches Wirken als "Wiederbetätigung". ... wer ihn etwas näher kennt, wird auch so manches Autobiographisches in den mit treffsicherem Dialekt verfassten Liedern entdecken ...
[Monika Konnert]
